BCKategorie 18.04.2016 09:09:36 Uhr

Ortschaft Mennewitz

Mennewitz, kleinste Ortschaft der Stadt Aken, hat eine über 700-jährige Geschichte.

Auf der Mark Mennewitz haben ursprünglich zwei Dörfer gelegen; Groß- und Klein-Mennewitz. Der ursprüngliche Name Minuiz oder Minuwitz weist unzweifelhaft aufwendischer Herkunft hin.

Klein-Mennewitz bestand noch zur Zeit des von 1383–1403 regierenden Erzbischofs Albrecht IV. von Magdeburg, es war erzbischhöfliches Lehen. Im Laufe des 15. Jahrhunderts ist das Dorf aus unbekannten Gründen verödet.

Groß-Mennewitz wird urkundlich erstmals erwähnt, als es 1296 König Adolf von Nassau dem St. Nikolaistift in Aken, das von seinem Uronkel Albrecht dem Bären im Jahre 1270 gestiftet wurde, schenkte. Die Feldmark des Dorfes umfaßte ca. 800 Morgen.

Als später das benachbarte Dorf Klein-Mennewitz wüst wurde, strich man den Zusatz "Groߔ aus dem Dorfnamen. Nicht vollends nachweisbar, aber wahrscheinlich ist Mennewitz im 15. oder 16. Jahrhundert eingegangen, wohl nicht durch kriegerische Ereignisse, sondern durch das sogenannte Bauernlegen, was damals bei vielen Klöstern und Stiften erfolgt ist. Man jagte die Bauern einfach davon und nahm die Fluren in die eigene Bewirtschaftung.

Die "Wiedergeburt” von Mennewitz ist datiert auf den 2. April 1735.

Der preußische Generalleutnant und Gouverneur der Feste Magdeburg, Fürst Leopold von Anhalt-Dessau – genannt der Alte Dessauer –, erhielt die Domdechauei Magdeburg. Er schloß mit dem Rat der Stadt Aken und der Magdeburger Kammer einen Vertrag: Es soll das Vorwerk Mennewitz erbaut werden.

Im Jahre 1739 wurde das Vorwerk zum ersten Mal verpachtet. 1754 wird für das Vorwerk Mennewitz ein eigener Justitiar bestellt, der den Titel "Eines Hochwürdigen Domkapikularischen Dekanatsgerichtes Mennewitz Justituarius” führt.

Von 1763 ab wird von dem Domdechanten die Gerichtsbarkeit erster Instanz über den Gutsbezirk und die Untertanen mit verpachtet.

Im Oktober 1766 brannte das Vorwerk Mennewitz ab. 1767 wird das Gut Mennewitz dem Oberamtmann Georg Bennecke zu Aken in Erbpacht gegeben. Die Jahres-pacht beträgt 900 Taler. Es entstanden nun auch einige Neuansiedlungen bei dem Gute, so daß es im Jahre 1785 "12 Feuerstellen” gab.

Es wohnten damals die sogenannten Erbzinshäusler hier, die den Erbpächter Erbzins entweder in Naturalien oder Geld zahlten. Bekannt sind seit dieser Zeit die sogenannten Zinsgänge.

1809 verkauften die Benneckschen Erben das Gut an den Ökonom Ehrhardt.

Aus einem Schriftstück im Staatsarchiv Magdeburg geht hervor, daß das Gut jährlich 100 Taler Kostdienstgeld zur Verpflegung der preußischen Truppen zahlen mußte.

Im September 1813 plünderten Kosaken das Dorf. Ein Erinnerungsstück, eine Kanonenkugel, blieb für lange Zeit in Mennewitz bei ,Schwalenbergs' erhalten.

In dieser Zeit zählte man in Mennewitz 92 Einwohner.

Der Oberamtmann Ehrhardt löst 1816 die auf dem Gut ruhende Erbpacht ab, indem er 18.475 Taler Preußisches Kourant zahlt. Der Gutskomplex umfaßt zur der Zeit 1.800 Morgen.

1823 wird das Vorwerk Mennewitz zum ersten Mal mit Rittergut bezeichnet. Leider läßt sich nicht mehr nachprüfen, aus welchem Grunde statt Vorwerk Rittergut geschrieben steht.

Das Rittergut Mennewitz wird 1835 für ihn zustehende Hütungsgerechtsame auf einigen Grundstücken des Amtes Aken abgefunden.

Mennewitz hatte 1839 12 Wohnhäuser, 121 evangelische Einwohner, 11 Kosaken und 6 Einlieger, die 88 Morgen besaßen. Die Gerichtsbarkeit stand dem Gute zu.

Im Jahre 1845 fand eine große Überschwemmung statt. Die Häuser, die nur einstöckig und sehr niedrig waren, standen bis zum Dach im Wasser. Erbaut waren diese Häuser um 1800. Das Vieh mußte gerettet werden. Eine der höher gelegenen Stellen war der Kirchhof.
Erinnern an die Überschwemmung tun die sogenannten Dammbrüche – kleine, runde, tiefe von Buschwerk gesäumte Teiche mit einem Durchmesser bis zu 10 Meter.

1851 wird auf dem Fuchsberg ein neues Kirchhofsterrain erworben, wofür jeder Häusler 2 Taler 15 betragen muß.

1855 im November war das Gut in den Händen des Christian Elias Wallis, der es im Dezember an den Güteragenten Moses Sommergut verkauft.

Gemeinsam mit Einwohnern aus Aken, Kühren, Micheln und Trebbichau findet 1856/57 ein Auseinandersetzungsprozeß statt. Das Gut wurde dadurch ganz aufgeteilt. Der 60 Morgen große Damm, der rings um Mennewitz führte, wurde Eigentum der Gemeinde.

1862 war die letzte große Überschwemmung. Am 5. Februar dieses Jahres wurde der Deich, erbaut in den Jahren 1856–1861 für 511.545 Mark, im Lödderitzer Busch an zwei Stellen durchbrochen. Der Deich reichte von den Akener Sandbergen bis nach Trabitz.

1880 kam der Rechtsanwalt Behr aus Köthen häufig zur Jagd nach Mennewitz. Er erwarb das Grundstück des Gastwirts Martin Sterrmann. Durch fortwährenden Zukauf entstand ein Gut von 900 Morgen. Auch der Damm von 60 Morgen ging in seinen Besitz. Behr ließ ihn abtragen und erhielt gutes Ackerland. Die Flurnamen Dammecke oder Dammsohle erinnern noch daran. 1900 übernahm der Sohn Behrs, Hubert Behr, das Gut.
Zum Gut gehörten auch eine Stärkefabrik (bis 1922) und in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Weinberg, er heute noch diesen Flurnamen trägt.

Am 19. August 1904 brannten 5 Bauernwirtschaften ab (Schwalenberg, Schulze, Hundt, Bolze, Hagel).

Im Frühjahr 1903 wurde mit dem Bau der Schule begonnen. Die Einweihung fand am 7. April 1904 statt. Die Baukosten betrugen 17.000 Mark.

Das Gut wurde 1912 an Herrn Andreas Wunderling verkauft.

Am 1. August 1914 wurde für Deutschland die Mobilmachung ausgerufen. 18 Männer zogen in den 1. Weltkrieg, 6 sollten nie wieder kommen. Nach dem Krieg gab es große Unsicherheit und Diebstähle nahmen zu; und so wurde im Ort eine Einwohnerwehr gegründet.

1920 wurde an dem Weg Aken-–Wulfen neben der Bullenwiese ein neuer Schacht angelegt (Schacht 5), um das südlich von Mennewitz gelegene Kohlenfeld auszubeuten.

Im Jahre 1931 wurde das gesamte Gut zwangsweise versteigert. Eigentümer wurde der Bankverein Aken. Von diesem erwarb es Gottfried Klinger aus Lützen für 126.000 RM.

1932 hat Mennewitz 110 Einwohner. Davon sind 107 evangelisch, 2 katholisch und 1 religionslos.

Das Gut Mennewitz wurde 1942 von Klinger an die Deutschen Solvay-Werke abgegeben. Er bleibt aber auf dem Gut als Inspektor.
Auch der 2. Weltkrieg verlangte aus Mennewitz Soldaten, 2 von ihnen blieben auf dem Schlachtfeld.
Im Mai 1945 kamen die Engländer nach Mennewitz. Klinger wurde von den Engländern verhaftet und starb in der Gefangenschaft.

1946 wurde das Gut durch die Bodenreform der Stadt Aken übereignet. Treuhändler wurde Paul Reich. Jener Paul Reich und Walter Schulze waren auch von 1945 bis 24. 6. 1950 Bürgermeister von Mennewitz.

Durch Beschlüsse des Gemeinderates Mennewitz und die Stadtverordnetenversammlung Aken wird Mennewitz am 24. 6. 1950 Ortsteil von Aken. Dieser Zustand dauert 47 Jahre. Im Herbst 1997 wird durch Änderung der Hauptsatzung der Stadt Aken die Wahl eines Ortschaftsrates möglich.
Seit dem 26. 4. 1998 ist Mennewitz nun wieder Ortschaft.

Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung von Mennewitz weitergeht; geplant zumindest ist einiges.

Ortsbürgermeister
Patrick Schwalenberg
Mennewitz 10
06385 Aken (Elbe)