Aken/Erwitte. Als am 17. Juni 1991 die Partnerschaftsurkunde zwischen Aken (Elbe) und Erwitte unterzeichnet wurde, lag die Deutsche Einheit nur wenige Monate zurück. Vieles war im Umbruch. Vieles musste neu gedacht und neu aufgebaut werden. Was damals mit ersten Telefonaten, persönlichen Begegnungen und einer gemeinsamen Idee begann, hat sich in den vergangenen 35 Jahren zu einer lebendigen Freundschaft zwischen zwei Städten entwickelt.
Die ersten Schritte nach der Wende
Die Wurzeln der Städtepartnerschaft reichen in das Jahr 1990 zurück. Bereits wenige Monate nach dem Fall der Mauer entstanden erste Kontakte zwischen Kommunalpolitikern aus Aken und Erwitte. Parallel dazu knüpften auch die Feuerwehren beider Städte erste Verbindungen.
Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, war der damalige Erwitter Bürgermeister Franz-Josef Spiekermann zu Gast in Aken. Gemeinsam mit Hans-Jochen Müller sprach er im Schützenhaus zur Deutschen Einheit. Schon damals wurde der Wunsch nach einer dauerhaften Städtepartnerschaft öffentlich formuliert.
Mit der Vertragsunterzeichnung im Juni 1991 begann eine Zusammenarbeit, die weit über symbolische Gesten hinausging. Gerade in den ersten Jahren der Wiedervereinigung unterstützten Verwaltungsmitarbeiterinnen und Verwaltungsmitarbeiter aus Erwitte ihre Kolleginnen und Kollegen in Aken beim Aufbau moderner Verwaltungsstrukturen. Beschäftigte der Stadt Aken erhielten die Möglichkeit, in Erwitte praktische Erfahrungen zu sammeln, Verwaltungsabläufe kennenzulernen und sich an der Fachhochschule in Soest zu qualifizieren. Diese Unterstützung war für den Aufbau einer modernen Kommunalverwaltung in den Nachwendejahren von unschätzbarem Wert.
Freundschaft beweist sich in schwierigen Zeiten
Wenn die Akener auf die vergangenen 35 Jahre zurückblicken, nennen viele sofort ein Ereignis, das unvergessen geblieben ist: die Solidarität der Menschen aus Erwitte während des Jahrhunderthochwassers 2013.
Als die Elbe über die Ufer trat und Aken vor enormen Herausforderungen stand, zeigte sich die Verbundenheit zwischen den Partnerstädten in besonderer Weise. Die Unterstützung aus Erwitte war groß und hinterließ bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck. Jahre später engagierten sich beide Städte gemeinsam für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal.
Doch die Städtepartnerschaft lebt nicht nur von Krisen. Sie lebt vor allem von Begegnungen. Von gegenseitigen Besuchen, Jubiläumsfeiern, Vereinskontakten, Feuerwehrfreundschaften, Schützenfesten und unzähligen persönlichen Gesprächen. Aus einer offiziellen Vereinbarung ist über die Jahre eine echte Freundschaft geworden.
Eine Freundschaft über Generationen
Ein besonderer Meilenstein war das 25-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im Jahr 2016. Im Rahmen des Akener Stadtfestes erneuerten der damalige Bürgermeister Peter Wessel und der erst ein Jahr zuvor ins Amt gewählte Bürgermeister Jan-Hendrik Bahn öffentlich die Partnerschaftsurkunde. Damit wurde deutlich gemacht, dass die Städtepartnerschaft nicht nur ein Kapitel der Wiedervereinigungsgeschichte ist, sondern auch von einer neuen Generation kommunaler Verantwortungsträger getragen wird.
Selbst die Corona-Pandemie konnte die gewachsenen Beziehungen nicht dauerhaft unterbrechen. Als im Jahr 2021 die erste Akener Vereine-Meile stattfand, waren selbstverständlich auch die Freunde aus Erwitte vertreten. Im selben Jahr wurde das 30-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft gemeinsam gefeiert.
Ein besonderer Höhepunkt war dabei die erstmalige Begegnung der Schützenvereine beider Städte. Insgesamt 19 Schützen aus drei Erwitter Schützenvereinen besuchten Aken, um gemeinsam mit der Schützengilde Aken 1841 e. V. den Städtepartnerschaftspokal auszuschießen. Schnell wurde deutlich, dass es dabei weniger um Ringzahlen und Platzierungen ging als um Begegnungen, Gespräche und neue Freundschaften.
Beeindruckend war vor allem die Begeisterung der jungen Schützen. Viele von ihnen waren lange nach der Gründung der Städtepartnerschaft geboren worden und dennoch bereit, diese Freundschaft mit neuem Leben zu füllen. Gerade darin zeigte sich die besondere Stärke der Partnerschaft: Jede Generation gestaltet sie neu und macht sie zu ihrer eigenen.
Blick nach vorn
Wenn die Städtepartnerschaft im Jahr 2061 ihr 70-jähriges Bestehen feiert, haben sich die Rahmenbedingungen vermutlich grundlegend verändert. Die Hoffnung beider Städte ist jedoch dieselbe wie vor 35 Jahren: dass die Verbindung zwischen den Menschen bestehen bleibt.
Denn die eigentliche Herausforderung wird sein, die Städtepartnerschaft an die nächste Generation weiterzugeben. Wenn junge Menschen in Aken und Erwitte dann sagen: „Diese Partnerschaft gab es schon immer“, dann wäre das vermutlich der schönste Beweis dafür, dass aus einer Städtepartnerschaft, die einst als Brücke zwischen Ost und West entstand, eine selbstverständliche Freundschaft geworden ist.